Panik auf Level V

Gefangen im Wurmloch. Der Kane und der Neo.

Wurmlöcher lösen bei mir immer Beklemmungen aus. Kein Local, keine Sternentore und keine NPC Stationen (mit Ausnahme von Thera). Immer hat man panisch den DSCAN im Auge und betet dass keiner Combatprobes raus wirft. Wurmlöcher sind ein seltsamer Teil von New Eden und sie sind mir unheimlich. Da liegt es nahe, dass ich auch Leute unheimlich finde, die in sowas leben. Ich halte mich immer gern fern von Wurmlöchern und gehe da eigentlich nur rein, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Das ist wie damals als Kind, wenn man von den Eltern in den Keller geschickt wurde. Ich hatte damals immer das Gefühl, ich bin da nicht allein unterwegs. Genau so geht es mir mit Wurmlöchern. Unheimliche Orte. Dunkel, geheimnisvoll und jederzeit kann jemand sich neben dir enttarnen und dir gepflegt das Esszimmer umstellen.

Gestern war mir aber fad. Ich drehte mein Raumschiff auf der Station in 0-G8NO im Kreis und fragte mich, warum sich nicht mal V0lta anschickte, uns einen Grund für eine spontane CTA zu liefern. Der Abend versprach sehr langweilig zu werden. Doch dann entdeckte Nakor Fubar ein Wurmloch. Neugierig steckte darauf hin Kane Salamon seine Nase hinein und nach kurzem herumschnüffeln fand er eine Thorax, die bleiern auf 200Km um das WH zu kreisen schien. Das Loch war ein klassisches “Wir haben einen Static 0.0 Exit” Loch und somit war der Entschluss schnell gefasst, eben dieses Wurmloch schnell zu schließen.

Neugierig stellte ich mich mit den anderen an das WH und schaute dem Schauspiel zu. Während Kane im WH versuchte die Thorax zu fangen, begann Nakor Fubar damit, das Wurmloch mit einer Megathron seiner Masse zu berauben. Damit es schneller geht, wurde ich in eine zweite Megathron beordert. Befehl ist Befehl. Ich machte mich auf den Weg und sprang ein mal heiß rein und auch heiß wieder raus. Inzwischen war die Masse des Wurmlochs dank der Battleships massiv geschwunden. Ich stieg also um in eine Stabber. Der Plan war, wieder heiß rein und heiß wieder raus und Kane direkt beim rausspringen mitnehmen.

Pustekuchen. Ich sprang heiß rein und ich vernahm ein lautes *PLOPP*. Das Wurmloch war kollabiert. Kane und ich standen auf der falschen Seite. Unwohlsein machte sich in meiner Magengrube breit. Das war nicht die Seite des Wurmlochs, auf der man gern stehen würde. Ein kurzer Check verriet mir, dass meine Stabber lediglich zum scannen gut war. Ich hatte keinerlei Waffen und auch keinen Cloak dabei. Die Logitech G502 Lightspeech Maus bekam ersten Angstschweiß von meinen Schwitzehändchen zu spüren.

Kane hatte die Thorax ein paar Sekunden vorher noch gefangen und platt gemacht. Das fanden die Homies des Thorax-Piloten nicht sehr groovy und begannen damit, nach uns zu suchen. Jetzt, wo das Wurmloch in unsere Heimat futsch war, saßen wir auf dem Präsentierteller. Eine Malediction mit nur noch halbem Armor und eine Stabber mit einem Hasenfuß am Steuer. Auf dem DSCAN: Mehrere Legions, ein bunter Strauß an Combat Scanner-Probes und noch jede Menge anderes fieses Zeug.

Ich versuchte mich an das zu erinnern, was man mir damals beigebracht hatte. Ich suchte mir einen Planeten, dann einen Mond und warpte den auf 100Km an. Im Warp spammte ich mir per STRG+B tonnenweise Bookmarks ins Adressbuch. Kaum am Mond gelandet, warpte ich einen der Bookmarks an. Auf dem DSCAN versammelten sich bis zu 12 Combat Scanner-Probes. Die Typen wollten es echt wissen. Ich warpte wild hin und her, während ich mir ein Sammelsurium an Bookmarks anlegte. Auf einem Safespot angekommen, warf ich die Scanner Probes raus. Auf dem Scanner waren gefühlt 20 Signaturen. Das konnte ja ein Spaß werden. Die Panik vernebelte mir das Hirn. 12 Combat Scanner-Probes waren auf der Jagd nach uns, meine 8 Probes bekamen keine der Signaturen ordentlich fokussiert. Schweiß rann mir von der Stirn und mein T-Shirt klebte an meinem Rücken.

Irgendwann hatte Kane die rettende Idee: Lass uns die Schiffe tauschen. Gesagt, getan. Ich gehe aus der Stabber und steige in seine angeschossene Malediction, während er in die Stabber… und dann hörte ich Worte, die NIEMAND der in einem Wurmloch gejagt wird hören möchte: “Wieso kann ich das Ding nicht fliegen?” tönte es aus meinem Headset. Kane hatte die Stabber nicht geskillt. In meinem Magen verfestigte sich alles zu einem kapitalen schweren Klumpen und ich hatte das dringende Bedürfniss aufs Klo zu rennen.

Vor meinem inneren Auge sah ich uns beide schon in fröhlicher Zweisamkeit unter dem Beschuss der Gegner explodieren. Kurze zeit später war ein “Ich hab den mal eben geskillt” zu hören. Anscheinend hatte Kane noch Skillpunkte übrig, um die notwenigigen Skills zu erlernen. Mir stand das Schwitzwasser mittlerweile schon an der Hüfte. Meine Katze paddelte auf einem Gummiboot an mir vorbei, während ich schweißgebadet versuchte den Combat Scanner-Probes zu entkommen.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis Kane die ersten Signaturen meldete. Ich warpte die erste an. Das war aber nicht der 0.0 Exit. Die zweite Signatur war es dann. Ich warpte zuerst auf 100Km und sah das Problem. Eine kleine Flotte hatte sich dort versammelt. Im Local wurden wir schon aufgefordert, uns zum sterben bitte ans Wurmloch zu begeben und das schier unvermeidliche nicht länger hinaus zu zögern. Schließlich esse man zeitig und hätte nicht den ganzen Abend Zeit.

Ich warpte erst mal weg und vergaß einen Bookmark des Exit Wurmloches zu machen. Also musste ich noch mal umdrehen. Total verstrahlt warpte ich das Ding dann aus Versehen auf 0Km an. Sehr zu Verwunderung der rund um mich herumstehenden gegnerischen Flotte. Ich wette auf Teamspeak ging bei denen in etwas sowas ab:

“Brennt der Typ?”
“Das hat er doch nicht wirklich gemacht oder?”
“Ist das ein Bug oder steht der wirklich nur 5Km von uns weg?”

Bevor man mich aufschalten konnte, mache ich mich schnell aus dem Staub. Mein T-Shirt war mittlerweile komplett durchgeschwitzt und die Maus in meiner Hand war pitschnasse. Ich hatte wohl ein kleines Problem mit der Transpiration. Mein 72h Deo fing langsam an zu versagen.

Erneut warpte ich die Signatur auf 100Km an und schaffte es endlich, den Bookmark zu erstellen. Zusammen mit Kane warpten wir dann laut Qapla’ rufend auf 0 an das Wurmloch und sprangen durch. Was uns auf der anderen Seite erwarten würde, wussten wir nicht. Es war uns aber egal. Dann auf der anderen Seite die Erleichterung. Wir waren in Insmother. Heimatland unserer Freunde von XiX. Das bedeutete Strukturen an denen man tethern konnte. Wir waren gerettet.

Im Local gab es dann noch etwas leichten Smacktalk und eine freundliche Verabschiedung, bevor Kane und ich den Kurs nach Hause setzten. Ich war mit den Nerven fertig. In meinem Alter kann sowas schnell mal zu Herzproblemen führen. Nach dem Trip dockte ich erst mal, machte mir ein Vita Malz auf und lehnte ich zurück. Auf Teamspeak hatten die Schweine natürlich alle mitgefiebert. Ich für meinen Teil hatte meinem Arsch in dem Moment schon goodbye gesagt, als das Wurmloh hinter mir zu ging, aber dank der Kollegen auf TS und Kane, der trotz fehlendem Skill die absolute Ruhe bewahrt hat, sind wir da lebend wieder raus gekommen.

Einen Rekord habe ich an diesem Abend aufgestellt: Ich habe noch niemals so viele Bookmarks pro Minute gemacht, wie in diesem Wurmloch.

2 Kommentare

    • Gargarosh auf 26. Februar 2021 bei 12:02
    • Antworten

    Sehr geile Story und ich habe die Katze vor meinem inneren Auge ^^

  1. Wunderbar zu lesen.. Köstlich 10/10

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